Rhein-Zeitung, 14.03.2008: Uran im
Trinkwasser macht Sorge
Rheinland-Pfalz - Bei Uran denkt jeder an Atomkraftwerke
oder Waffen. Doch auch Trinkwasser enthält oft Uran aus der
Natur. Experten warnen vor Gesundheitsgefahren für Kinder -
nicht wegen Radioaktivität, sondern weil das Schwermetall
giftig ist.
Das Landesuntersuchungsamt hat in einem
Fünftel von 119 untersuchten Trinkwasserproben aus
Rheinland-Pfalz mehr als zwei Mikrogramm
Uran je Liter gefunden. Gesetzliche Grenzwerte konnten nicht
überschritten werden: Es gibt keine. Trotzdem stehen Eltern
vor der Frage, ob sie den Babybrei unbesorgt mit Leitungswasser
anrühren können: Mineralwasser darf sich nur dann mit dem
Werbe-Etikett "für
Säuglingsnahrung geeignet" schmücken, wenn der Liter
weniger als zwei Mikrogramm (Millionstel Gramm) des giftigen
Schwermetalls enthält.
Der höchste Urangehalt wurde mit 14
Mikrogramm je Liter beim Hauptpumpenwerk Windesheim (Kreis Bad
Kreuznach) des Zweckverbands Trollmühle gefunden, gefolgt vom
"Hochbehälter Königswäldchen" der Stadtwerke Bitburg
mit zwölf Mikrogramm. Wasser aus dem "Hochbehälter III
Sobernheim" der Verbandsgemeindewerke enthält zehn Mikrogramm
Uran pro Liter. Mehr als zwei Mikrogramm wurden auch bei der
Wasserversorgung Rheinhessen (WVR) gemessen: am Hochbehälter
Wöllstein 7,7 und am Wasserwerk Bodenheim drei Mikrogramm. Das
Wasser der Stadtwerke Mainz enthält weniger als zwei
Mikrogramm Uran je Liter.
Die Welt Online, 09.03.2008: Giftiges Ruhr-Wasser
kommt aus dem Wasserhahn
Einer der wichtigsten Trinkwasserflüsse
Deutschlands ist mit vermutlich krebserregenden Chemikalien
verseucht. Für 500 Millionen Euro könnten die
Kläranlagen so umgerüstet werden, dass sie den Giftstoff
PFT herausfiltern, schätzen Fachleute. Doch den
Klärwerken fehlt das Geld.
Das Gift, um das es in dieser Geschichte
geht, heißt PFT. Perflourierte Tenside. Man braucht es
für Wasser abweisende Beschichtungen, etwa für
Goretex-Jacken. PFT reichert sich im Menschen an, vor allem im
Blut. Vermutlich erregt der Stoff Krebs. In Nordrhein-Westfalen
fließt dieses Gift täglich in den Fluss Ruhr. Seit
Jahren schon. Ununterbrochen. Niemand weiß, wie lange das nun
so geht. In der einen Woche sind es elf Kilo. In der nächsten
nur 2,5 Kilo. Das Gift ist da. Das beweisen Daten, die WELT ONLINE
vorliegen.
Mehr als vier Millionen Menschen trinken
Wasser aus dem Uferfiltrat der Ruhr. Damit ist die Ruhr einer der
wichtigsten Trinkwasserflüsse der Bundesrepublik. Im Blut
eines Kindes in der Stadt Arnsberg an der Ruhr wurde eine
Konzentration von 396260 Nanogramm PFT je Liter Blut gemessen. Ein
anderes Kind hatte einen PFT-Wert von 226.390 Nanogramm. Zum
Vergleich: Im Trinkwasser gelten bereits mehr als 300 Nanogramm je
Liter als bedenklich für die Gesundheit. Die Kinder leiden
schon lange an einer schweren Krankheit, heißt es in einer
Untersuchung. Deswegen hätten sie viel klares Wasser trinken
müssen. Und wegen des vielen Wassers wären ihre PFT-Werte
heute so miserabel.
Woher sollten die Eltern auch wissen, dass
aus dem Hahn Gift fließt? Was mit den Kindern jetzt
geschieht, ist ungewiss. Genauso ungewiss wie das Schicksal der
anderen Menschen, deren PFT-Werte im Blut deutlich erhöht
sind. Wie Mäuse in einem Feldversuch werden etliche von ihnen
medizinisch beobachtet. Hunderttausende wissen wahrscheinlich nicht
einmal, dass sie das Gift im Blut haben.
Als der PFT-Skandal vor fast zwei Jahren
bekannt wurde, reagierten die Behörden zunächst schnell.
Im „Kaufland“ im Arnsberger Stadtteil Bruchhausen
verteilten sie portioniertes Trinkwasser an die Bevölkerung.
Dann bauten die Wasserwerke an der Ruhr Aktivkohlefilter in ihre
Anlagen ein. Die Giftkonzentrationen im Trinkwasser sanken auf ein
unbedenkliches Maß. Die Lage beruhigte sich. Es wurde
zunächst still.
In dieser Stille an der Ruhr stellten viele
Wasserwerke ihre Aktivkohlefilter wieder ab. Der Betrieb der
provisorischen Anlagen war ihnen offenbar zu teuer. Was dann
geschah, war absehbar. Die PFT-Werte im Trinkwasser stiegen wieder
an. Das Gift kehrte zurück in die Wassergläser der
Menschen an der Ruhr. Als Recherchen von WELT ONLINE dies
enthüllten, ordnete der zuständige Umweltminister des
Landes, Eckehard Uhlenberg (CDU), an, die Filter sofort wieder
einzuschalten. Kurze Zeit später veröffentlichten die
Wasserwerke einen Beschluss, ihre Anlagen für 140 Millionen
Euro PFT-fest nachzurüsten. Ein weiteres Mal schien sich die
Lage zu beruhigen.
Doch eine wichtige Frage blieb weiter
unbeantwortet. Wo kommt das Gift überhaupt her?
(...)
Nach einer Auskunftsklage vor dem
Verwaltungsgericht Arnsberg bekam die WELT ONLINE Messdaten aus den
Klärwerken an der Ruhr. Aus diesem Material lässt sich
rekonstruieren, dass ausgerechnet die kommunalen Klärwerke im
Schnitt 210 Gramm PFT täglich in den Fluss pumpen, aus dem
Millionen Menschen ihr Trinkwasser beziehen. Das entspricht etwa 30
Prozent der PFT-Verseuchung. Wenn man dazu die Möhnetalsperre
mit ihren unbekannten PFT-Quellen hinzurechnet, kann man gut 70
Prozent der täglichen PFT-Last identifizieren. Für
weitere Verschmutzungen müssen aber verseuchte Äcker und
Böden entlang der Ruhr die Ursache sein.
Wie aus vorliegenden Unterlagen hervorgeht, konnte die PFT-Last in
der Ruhr seit Dezember 2006 nicht nennenswert verringert werden.
Als WELT ONLINE dies schrieb, griff Minister Uhlenberg vor wenigen
Wochen scharf an. Er behauptete, anders als berichtet, seien die
PFT-Emissionen aus den Klärwerken an der Ruhr um fast 30
Prozent verringert worden. Um diesen Erfolg belegen zu können,
rechnete der Minister PFT-Daten aus Klärwerken zusammen, bei
denen sich in den letzten Monaten die Lage gebessert hatte. Unter
den Tisch fallen ließ der CDU-Mann dabei allerdings Zahlen
aus den Klärwerken, in denen sich die Lage verschlechtert
hatte. Auch bestritt er, dass die gemessenen PFT-Werte im
Ruhrwasser gefährlich sind.
Das aber sehen Toxikologen ganz anders:
„Man kann die Werte im Wasser nicht schönrechnen. Das
Rohwasser muss verbessert werden“, sagt Hermann Kruse von der
Universität Kiel. (...)
Der Wissenschaftler gilt als einer der
renommiertesten PFT-Fachleute in Deutschland. Dieter zieht
Parallelen zu früheren Skandalen mit Dioxin, DDT oder
Pestiziden. „Es wurden nicht ausreichend Lehren aus der
Vergangenheit gezogen. Jetzt ist uns wieder ein Stoff durch die
Lappen gegangen.“ Der Wissenschaftler meint, es wäre
wichtiger gewesen, die wirklichen Ursachen für die
PFT-Verschmutzung zu finden, „doch ging diese sachlich
begründbare Forderung im politischen Hin und Her der letzten
Wochen und Monate offenbar verloren“. Es sei eben einfacher,
die Folgen einer kriminellen Handlung zu heilen, als ein System zu
verändern, aus dem alle Nutzen
ziehen.
Dabei gibt es eine Lösung: Für 500
Millionen Euro könnten die Kläranlagen so umgerüstet
werden, dass sie PFT herausfiltern, schätzen Fachleute. Die
Kläranlagen gehören alle dem öffentlichen
Ruhrverband, in seinen Gremien sitzen Lokalpolitiker aus CDU und
SPD. Der Verband aber sitzt auf rund einer Milliarde Euro an
Schulden.Und so fließt aus Geldmangel weiter PFT aus den
Kläranlagen in die Ruhr. Auch morgen. Wir wissen nicht wie
viele Kilo. Wir wissen nur: Das Gift ist da und es
bleibt.
Echo Online, 07.03.2008: Höchst -
Trinkwasser unbedingt abkochen
Das Hochwasser der Mümling hat in
Höchst im Odenwald das Trinkwasser verseucht. Die
Gemeindeverwaltung rief heute rund tausend Haushalte der Stadt auf,
das Leitungswasser vor dem Trinken mindestens zehn Minuten lang
abzukochen. „Es sind Keime ins Wassernetz gelangt, die
abgetötet werden müssen“, sagte Wassermeister
Manfred Gross auf Anfrage. Gerade Kleinkinder oder Kranke
müssten vorsichtig sein. „Wir werden das Wasser nun
mehrere Tag lang chloren. Die Regel zum Abkochen wird daher einige
Tage gelten.“ Zur Körperpflege oder für die
Toilettenspülung könne das Leitungswasser weiter genutzt
werden. Nach Angaben der Gemeinde war der kleine Fluss über
die Ufer getreten und hatte einen Trinkwasserbrunnen
überflutet und verunreinigt. Erst wenn die Wasserproben wieder
in Ordnung seien, werde die Gemeinde grünes Licht für die
Trinkwasser-Nutzung geben
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